Galapagos 2013

Galapagos 2013 – von Dr. Andreas Falk

Galapagos – immer noch ein Traum, den sich einige ESG-Taucher in den Sommerferien erfüllt haben:

„Tauchertraum“ lautet schon der Name des Veranstalters – und einen Traum haben sich 3 ESG-Taucher mit der Reise in den Galapagos-Archipel auch erfüllt.

Nur wenige dieser Vulkaninseln weisen genügend Vegetation auf, um eine menschliche Besiedlung zuzulassen. Ansonsten bedecken weite Asche- und Lava-Felder die Landschaft, so dass sich schon die spanischen Entdecker 1535 zunächst nur mit ausgepresstem Kaktussaft vor dem Verdurstungstod retten konnten.

Ganz anders sieht es unter Wasser aus: Hier explodiert das Leben! Drei gegensätzliche Meeresströmungen treffen bei den Inseln am Äquator aufeinander und bedingen eine Fauna und Flora, wie sie in dieser Fülle und Vielfalt einzigartig ist. Diese besonderen Bedingungen haben zur Entwicklung spezieller Tierarten geführt, die sich oft von Insel zu Insel unterscheiden und Charles Darwin entscheidende Impulse zur Formulierung der Evolutionstheorie gaben.

Der Archipel ist heute nicht nur Weltnaturerbe, sondern auch ecuadorianischer Nationalpark, in dem die Safariboote nur ausgewählte Tauchplätze anfahren dürfen.

Es bedurfte auch einer langen Warte- und Anmeldefrist, um an einer großen Rundreise mit neuen Destinationen teilnehmen zu können.

Nach dem Eintauchen an der kleinen Seelöweninsel bei San Cristobal ging’s nach Norden mit einer Zwischenstation auf Isabela. Obwohl der Tauchplatz Cabo Marshall direkt unter dem Äquator liegt, ist das Wasser kühl und wegen des hohen Planktongehalts sind riesige Fischschwärme zu sehen, die Jäger, die sie verfolgen, sowie zahlreiche Teufelsrochen. Ein Fischschwarm war so groß und dicht, dass die Taucher einander verloren und durch die starke Strömung weit voneinander entfernt wieder auftauchten. Dabei zeigte sich schon zu Anfang der Reise die hohe Professionalität der Bootsmannschaften, die – vom Kapitän über Funk koordiniert – die weit verstreuten Taucher in kurzer Zeit aus dem Wasser holten.

Die beiden nördlichsten Inseln des Archipels, Wolf und Darwin mit ihren weltberühmten Tauchplätzen boten auch dieses Mal überwältigende Erlebnisse: Delfinschulen von über hundert Tieren, die mit ihren Luftsprüngen Schiff und Boote begleiteten, unter Wasser Scharen von Galapagos- und Seidenhaien und große Schulen von Hammerhaien, die hier die Putzerstationen aufsuchen, viele Adlerrochen und teils riesige Schwärme von Friedfischen. Der Höhepunkt waren aber zweifellos die Walhaie von Darwin Island, die nur in der Zeit von August bis Oktober regelmäßig anzutreffen sind – dann aber gleich mehrere Giganten von 10 -12 m Länge bei einem Tauchgang. Es handelt sich dabei nach modernen Forschungen um trächtige Weibchen, die im warmen Wasser des Panamastromes ihre Jungen zur Welt bringen wollen. Es ist ein herrliches Erlebnis die majestätischen Riesen ein Stück zu begleiten, ehe die friedlichen Planktonfresser wieder in der Tiefe verschwinden.

Zum Abschied von diesen kleinen Felseninseln mit ihrer einmaligen tropischen Fauna und Flora gab es noch einen Tauchgang beim sog. Elefantenfelsen, bei dem ungewöhnlich starke Strömungen herrschten und die Tauchergruppe direkt auf eine dichte Formation von Hammerhaien zu trieb. Der Abschied von Wolf war gleichzeitig auch das Ende des Tauchens im warmen Wasser.

Vor der Insel Fernandina – die erstmals angelaufen werden durfte- war es deutlich kühler. Hier leben die Nachkommen der großen Landleguane, die es irgendwann in der Vorzeit vom Dschungel des südamerikanischen Festlandes auf die trockenen Lavainseln verschlagen hat. Sie konnten nur überleben, indem sie im kühlen Wasser tauchen lernten, um die üppigen Algenfelder vor der Küste abzuweiden – ein großes Problem für die wechselwarmblütigen Echsen, die sich lange auf dem Lavastrand und in der Sonne aufwärmen müssen, bevor sie zur Unterwasserweide schwimmen können. Für jeden Taucher bieten diese Urzeitdrachen, die sich in Tiefen bis zu 10 m mit ihren spitzen Krallen an die Felswände klammern, um die Algen abzubeißen, einen einmaligen Anblick, den es nur hier auf diesen Inseln zu sehen gibt. Die Echsen haben durch die Nähe zur Brandungszone kaum Feinde, werden aber von den flinken, verspielten Seelöwen immer wieder in die langen Schwänze gezwickt.

Erstmalig gestattet war auch ein Nachttauchgang an der Nordspitze der Insel Isabela, bei dem sich die scheuen Mondfische aber nicht blicken ließen. Dafür begleiteten uns schlaue Seelöwen, die sich in den Spalten und Höhlen flugs die vom Scheinwerferlicht geblendeten Fische schnappten – sofern sie nicht so groß und wehrhaft waren wie die bodenständigen Dornhaie.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann erneut auf die Suche nach Mola-Mola, den Mondfischen und tatsächlich bekamen wir einige dieser tonnenschweren Hochseekosmopoliten zu Gesicht, bevor sie in die Weite des offenen Ozeans verschwanden. Diese eigenartig geformten Fische mit meterlangen Rücken- und Bauchflossen kommen nach Vicente Roca, um sich von den hier heimischen Putzerfischen von ihren Hautparasiten befreien zu lassen. Die weite Bucht eines halb versunkenen Vulkankraters lockt aber auch zahlreiche Fischschwärme und Schildkröten an und als Besonderheit für das geübte Taucherauge: prächtige Seepferdchen.

Ein Highlight war auch die Insel Santiago mit dem Cousins Rock und Bartolomé. Hier ist nicht nur eine Kinderstube der Seelöwen mit vielen neugierigen Jungtieren, sondern auch eine kleine Kolonie von Galapagos-Pinguinen und Blaufußtölpeln, die sich ungeniert den Fotografen stellen. Das kühle Wasser des Humboldstromes lockt nicht nur diese lustig anzuschauenden Vögel an den Äquator, sondern auch Pelzrobben, d.h. Seebären, die man in den Gewässern der Antarktis, aber nicht zwischen den Klippen der Insel Pinzon erwarten würde.

Es waren Tauchgänge mit überwältigenden Erlebnissen, und alle haben in der Hoffnung Abschied genommen, dass dieses Naturparadies und Weltnaturerbe noch möglichst lange erhalten bleibt.

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