Giglio 2010

Giglio 2010 – von Oliver Steinmeyer

Nach langer Vorbereitung ist es endlich soweit. Die Taschen sind gepackt und das Auto ist gefüllt mit Campingsachen, Wanderschuhen, Tauchsachen und sonstigem Reisezeugs.

Die Autofahrt ist anstrengend, vor allem die nicht enden wollenden Baustellen auf der A5 bis Freiburg. In Schweiz und Italien bleibt dann genug Zeit auch den einen oder anderen Blick auf die tollen Landschaften zu werfen, bevor sie im Rückspiegel verschwinden.Auf der Hinfahrt übernachte ich bei den Familien Moretti und Wohnhaas, die in Albiano Margra ihren gemeinsamen Familienurlaub machen. Am nächsten Tag komme ich nach der ein oder anderen Tank- und Ausspann-Pause endlich am Porto St. Stefano an, wo ich mich erst mal orientieren muss: Wo fährt jetzt hier die Fähre? Wo bekomme ich mein Ticket? Nachdem alle Klarheiten beseitigt sind, habe ich noch eine Stunde Zeit mich umzusehen und ein paar Eindrücke zu sammeln.

Auf der Fähre wird nach der Hafenausfahrt ein paar Kilometer weiter eine große Insel sichtbar. „Dass muss sie sein!“

In Porto angekommen setze ich dann meine Fahrt nach Campese fort.Der Campingplatz Baia del Sole ist sehr schön eingerichtet. Ich darf mein Zelt unmittelbar am Meer aufpoppen. Leider ist es ganz schön stürmisch, so dass ich vor der Verankerung erst mal meine Reisetasche rein stelle, damit ich mein Zelt nicht gleich auch der stürmischen See angeln muss. Ich bin für meine Verhältnisse bescheiden unterwegs. Neben meinem 1×2 Meter selbst entfaltenden Zelt habe ich nur einen Alustuhl und einen Klapptisch dabei, auf dem ich mir so manche Mahlzeit mit meinem Campingkocher zubereiten möchte.

Endlich ist alles fertig aufgebaut. Die Sonne geht langsam unter. Ich nutze die Gelegenheit mich in Campese etwas umzusehen. Kaum dort angekommen darf ich meinen ersten Sonnenuntergang auf der Insel bestaunen. „Wahnsinn“ Auf dem Rückweg Richtung Zeltplatz (noch in Campese) traue ich meinen Augen nicht: Das ist doch Niko, der mir da entgegen kommt … Und tatsächlich. Wir tauschen uns kurz aus, leider hat er nicht viel Zeit, da er noch zum Essen eingeladen ist.

Tauchausflüge:
Am nächsten Tag ist es dann soweit: Heute mache ich meinen ersten Meerestauchgang. Also stelle ich mich kurz beim CDC (Campese Diving Center) vor. Reiner ist heute der Tauchguide für die Ausfahrt. Es ist immer noch ziemlich stürmisch, so dass ein Teilnehmer sein Mittagessen nur widerwillig mit den Fischen teilt. Ich hingegen habe keine Probleme mit dem starken Seegang. Aber selbst für den entleerten Magen hat sich die Ausfahrt zum Tauchplatz „Corvo“ gelohnt. Neben einigen Nacktschnecken und Muränen an den Steilwänden gab es einige Schwärme von Barrakudas zu bestaunen.

Beim nächsten Tauchgang führt uns Tauchguide Oliver zum Kuppeldach. Die See ist heute nicht mehr so stürmisch, leider ist auf dieser Seite der Küste zzt. eine Starke Strömung. Nachdem Oliver den Anker des Taucherschlauchboots endlich befestigt hat war die Luft bei einer Tauchkollegin schon halb verbraucht, so dass wir den Tauchplatz leider nicht ganz auskundschaften konnten.

Meinen bislang beeindruckendsten Tauchgang machte ich dann an der Palmengrotte, eine UW-Grotte, in die man ca. 10 m eintauchen kann. Als wir die geliehenen UW-Lampen einschalteten traute ich meinen Augen nicht. Die Wände waren voll bedeckt mit Garnelen, die in einem orange bis feurigem Rot schimmerten. Vorsichtig, um nichts kaputt zu machen, drehten wir uns langsam um, und mit viel Respekt verließen wir die Grotte wieder.

Niko begleitete uns zum Tauchplatz: Leuchtturm „Fenaio“, wo er einige Proben für das Institut für marine Biologie sammelte. Auch hier gibt es einiges zu sehen, beeindruckend fand hier ich die Anemonen und einen großen Zackenbarsch.

Heute ist die See mal wieder etwas rauer. Heute morgen gab es sogar einen kleinen Unfall: Beim aussteigen aus einem Tauchboot war ein Taucher falsch im Wasser gelandet und hat vor Panik etwas Wasser in die Lunge bekommen. Trotzdem will ich mir die letzte Gelegenheit nicht entgehen lassen. Also sind nur 3 unerschrockene Taucher und 2 Tauchguides unterwegs. Der Tauchgang führt uns zu einigen Höhlengängen am Tauchplatz „Allume“. Dieser liegt nicht besonders tief (ca.18m) aber die Höhlengänge sind den Ausflug allemal wert. Tauchguide Matthias konzentriert sich eher darauf, dass im nicht schlecht wird: durch den starken Wind hat sich eine Brandung ergeben, die alles in Küstennähe in Bewegung hält, was nicht niet- und nagelfest ist. Für mich ist dieser Umstand eher beruhigend, so, dass ich mich voll der Umgebung und der Tarierung innerhalb der Höhlen widme.

Wanderungen:
Bei meiner ersten Wanderung stelle ich fest, dass es Sinn macht vorher einen Blick auf die Wanderkarte zu werfen. Viele Wanderwege führen nur in eine Richtung, z.B. zu einer Bucht. Von dort muss man wieder umkehren, was ein Wanderer nur ungern tut. Also schlage ich nach den ein oder anderen Abstecher von Campese aus die Richtung Castello ein. Hier verschnaufe ich erst einmal, bevor ich mich auf den Weg zurück nach unten zum Campingplatz mache.

Bei meiner zweiten Wanderung möchte ich die Ostküste erkunden. Ich starte daher in Castello. Auf dem Weg nach unten muss ich aufpassen, dass mir nicht die ein oder andere Eidechse unter die Füße läuft. In Porto fülle ich meinen Rucksack mit Obst als Wegzehrung und mache mich auf den schmalen Küstenweg Richtung Süden. Von dort schlage ich den Weg zurück in Richtung Castello ein. Auf den schmalen Wanderwegen begegne ich keiner Menschenseele und ich muss immer wieder aufpassen, dass ich nicht in ein Spinnennetz laufe. Wer weiß, wann hier das letzte mal jemand gewandert ist … ?

Rückfahrt:
Mit unglaublich vielen (positiven) Eindrücken darf ich die Insel wieder verlassen. Ich nehme viele Erfahrungen, tolle Erlebnisse und vor allem so einige nette Bekanntschaften mit. Auf meiner Rücktour mache ich einen Abstecher auf den Berg Rigi in der Schweiz. (beim Vierwalstädtersee / Zugernsee) Auch hier mache ich eine Wanderung vom Hotel „Klösterli“ hoch zum Gipfel. Außerdem mache ich Bekanntschaft mit einer Neuseeländerin, mit der ich mich über meinen nächsten Urlaub unterhalte – aber das ist eine andere Geschichte…

Vielen Dank an dieser Stelle an das Ehepaar Ratzlaff, das uns die Unterwasserbilder von Giglio zur Verfügung gestellt hat.

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