Straße von Bonifacio 2013

Straße von Bonifacio 2013 – von Martin Fischer

Flughafen Köln-Bonn, 17.5.2013

Aus den verschiedenen Richtungen reisen die Mitglieder unserer Crew an. Die Abenteuer von Zugreisen durch Deutschland und die Schwierigkeiten mit der Security am Flughafen spülen wir mit Bier runter – Kölsch natürlich.

Unser Ziel: Olbia, Sardinien.
Unser Plan: Ein kombinierter Segel/Tauch-Trip
Unsere Route: Olbia- Costa Smeralda-Bonifacio (Korsika) – Maddalenen Archipel – Olbia

Im Anflug auf Sardinien konnten wir die Schönheit der Insel und der Küste bewundern. Nicht ahnen konnten wir zu diesem Zeitpunkt, wieviele Wege es zwischen dem Flughafen und dem Zentrum der Stadt gibt. Wir hatten aber in den nächsten Tagen das noch ausgiebig zu ‚erfahren‘.

Olbia
Da nicht alle Mitsegler Taucher sind, hatte ich bereits vorab geplant, zwei geführte Tauchgänge zu unternehmen. Aus der Planung in den vergangenen Monaten hatten wir erfahren, dass es entlang unserer Route einige Tauchbasen an der Costa Smeralda gibt, nicht alle waren allerdings für Segler geeignet. Wer will schon die Flaschen einen steilen Hang hoch- und runter tragen?

Die ausgewählte Tauchbasis war Blue Infinito in San Teodoro. Zum Auffrischen der Kenntnisse war für den Vormittag ein Check—Tauchgang vom Strand geplant. Der Mai ist noch Vor-Saison auf Sardinien, sodass wir neben dem Instructor nur zu zweit waren. Erste Erfahrung: auch das Mittelmeer kann kalt sein. Wie in Deutschland war das Frühjahr dort kalt, entsprechend auch das Wasser – 17°C an der Oberfläche. Egal, ein paar Checks und abgetaucht. Nicht viel Fischpopulation – auffallend lediglich ein Oktopus, der kräftig Tinte versprühend vor uns davon schwamm.

Nachmittags wurde es dann ernster. Nach dem Anziehen des noch feuchten Neopren-Anzugs folgte eine neue Erfahrung – in Tauchklamotten im Auto zur nächsten Marina. Dort (fast)alles in das Motorboot verladen und mit dem Motorboot in 20 Minuten zur Isola Tavorala – dem ausgewählten Tauchspot für heute. Dort angekommen, schnell die Ausrüstung angelegt – und große Katastrophe: ich hatte meine Maske vergessen. Dank an Fabio für die Ersatzmaske.

Die steilen Felsen der Insel fallen unter Wasser nochmals 8-10 m ab und gehen dann in ein ausgedehntes, mit Felsen übersätes, Plateau über.

In 16-20 m Tiefe führte uns Fabio durch dieses beeindruckende Felsenlabyrinth, zwischen Felsen durch, unter Überhängen und einmal durch eine Art natürlicher Tunnel. Auch hier war zu beobachten, dass es relativ wenige Fische gab, allerdings eine ausgeprägte Besiedelung mit Algen und Gorgonien.

Anscheinend war das Ausbleiben der Fische auf die noch zu niedrigen Wassertemperaturen zurück zu führen. Viel zu schnell war die Luft verbraucht und es ging wieder zurück ins Boot. Der dort ausgeteilte heiße Tee und die Kekse waren ein angenehmer Abschluss.
Für Einige weniger angenehm war der anschließende Ritt über die Wellen zurück zur Marina. Aber auch diesmal war ich seefest.

Costa Smeralda
Am nächsten Tag konnten wir unsere Charter-Yacht übernehmen und Proviant bunkern. Festzustellen war, dass es auf Sardinien einige sehr schöne Weine gibt. Mit dem auf der Insel gebrauten Ichnusa Bier zelebrierten alle erfolgreichen Anker-, Anlege- und sonstigen Manöver. Nicht zu vergessen und zu verachten ist auch die lokale Spirituose Mirto, ein leckerer Kräuterlikör.

Nach dem Abschluss der logistischen Aufgaben ging’s los. Entlang der bekannten Costa Smeralda segelten wir Richtung Norden.

Angesichts der Schönheit der Küste war es für uns nicht verwunderlich, dass dieser Küstenstrich das Reiseziel vieler Reicher und, nach jeweils eigener Einschätzung, Schöner und Wichtiger ist. Für uns Normale hat diese Attraktivität eine besondere Wirkung. Die Preise in Restaurants und Bars orientieren sich scheinbar mehr am Durchschnittseinkommen eines erfolgreichen Hollywood-Stars.

Nächster Stopp war die Tauchbasis Orso Diving in Poltu Quatu. Dies ist eine der wenigen Basen, die Equipment auch zur Mitnahme vermieten. Die meisten anderen vermieten nämlich nur im Rahmen der geführten Ausflüge. Unser Lademeister schaffte es dann tatsächlich neun Flaschen auf unserer 43 Fuß Yacht sicher zu verstauen, ohne dass uns diese immer im Weg rumstanden. So beladen segelten wir mit kräftigem Wind in die Straße von Bonifacio, den Bereich zwischen Sardinien und Korsika.

Bonifacio

Beeindruckt von dem Fjord-artigen Hafen und der Altstadt, die auf einer steilen Klippe liegt,finden wir einen Anlegeplatz direkt an Kaimauer. In der Folge legte noch eine kleine Flotille badischer Studenten neben uns an. Die kannten zwar das Badner-Lied nicht, fanden aber Clubs, die bis in den Morgen geöffnet waren. Folglich herrschte die halbe Nacht reger Fußgänger-Verkehr über unser Vordeck.

Genervt von dem turbulenten Leben bei Tag und Nacht setzten wir wieder Kurs auf die ruhigeren Gebiete, die es zu dieser Jahreszeit dort noch überall gibt.

In der Straße von Bonifacio gibt es zwei größere Inselgruppen. Die Lavezzis sind eine Gruppe kleinerer, meistens unbewohnter Inseln und gehören noch zu Frankreich. Tauchen ist dort ohne Einschränkungen möglich. Aufgrund unserer mangelnder Ortskenntnis und der Probleme, einen guten Ankerplatz zu finden, fanden wir leider keinen guten Spot. Dennoch zwängten wir uns in die Ausrüstung und unternahmen einen kurzen, lockeren Tauchgang ohne besondere Sehenswürdigkeiten.

Maddalenen Archipel

Der Maddalenen Archipel ist ein Marine Nationalpark und ein echter Tipp für alle, die Segeln, Tauchen oder einfach Baden lieben. Es gibt dort zahlreiche herrliche Strände, eine beeindruckende Unterwasserlandschaft und wir hatten auch endlich mal gutes Wetter.

Aufgrund der Einstufung als Nationalpark gibt es hier einige Einschränkungen. Das Gebiet ist in Bereiche aufgeteilt, die unterschiedlichen Nutzungs-einschränkungen unterliegen. Sporttauchen ist in den meisten Bereichen aber erlaubt. Allerdings zeigte es sich, dass für die schönsten Tauchspots stärkere Einschränkungen unterliegen. Ankern und Tauchen ist dort nur den Tauchbasen erlaubt, die dafür lizensiert sind. Einfach Ankern und Abtauchen geht also nicht. Wie aus dem Bild zu erkennen ist, fanden wir trotzdem einen schönen Platz zum Sonnen und für einen weiteren Tauchgang.

Zurück nach Olbia
Viel zu schnell waren die Tage vorbei und wir mussten Kurs Richtung Olbia setzen. In in Poltu Quatu steuerten wir die Tauchbasis zur Rückgabe der Flaschen an. Da wir vorher wussten, dass es keine Gelegenheit gab, Flaschen nachzufüllen, hatten wir uns hier für die geplante Anzahl der Tauchgänge eingedeckt. Die zwischen Plan und Durchführung auch diesmal ein signifikanter Unterschied bestand, konnte sich die Basis das Nachfüllen einiger Flaschen sparen.

Aufgrund angekündigten Starkwindes blieben wir etwas länger in der geschützten Marina von in Poltu Quatu und unternahmen tatsächlich auch einen kleinen Land-Spaziergang. Aber es half nichts, wir mussten weiter.

Gemeinsam mit einer anderen deutschen Crew wollten wir nochmals die erworbenen Fähigkeiten und Seefestigkeit unter Beweis stellen. Bei kräftigem Wind ging’s zurück zu unserem Heimathafen. Um die Zeit maximal zu nutzen verzichteten wir bis zum letzten Moment auf Motorunterstützung und kreuzten einmal mehr.
Durchgefroren, mit leichten Blessuren, aber guter Laune ging unser Törn so zu Ende.

Nochmal?
Als Erkenntnis bleibt für mich, dass der Norden Sardiniens ein schnell erreichbares, lohnenswertes Ziel ist. Tauchen ohne lokale Tauchguides ist allerdings schwierig. Der einzige Tauchrevierführer von Egidio Trainito ist sehr schön, aber nur noch antiquarisch erhältlich. Die Logistik vor Ort und die sinnvollen Einschränkungen im Nationalpark stellen allerdings weitere Hürden, die leichter gemeinsam mit einer Tauchbasis zu meistern sind. Um diese Erfahrungen reicher habe ich fest vor, nochmals einen Tauchurlaub in der Region zu machen. Sowohl für Wassersportler als auch für Wanderer ist das ein tolles Ziel.

PS: nachdem wir trotz mehrerer Versuche und kumulierten 40 Jahren IT-Erfahrung nicht verstanden haben, wie italienische SB-Tankstellen mit der Bezahlung über Bargeld funktionieren, wäre ich für sachdienliche Hinweise offen.

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