Azoren 2003

Azoren 2003 – von Renate Falk

Nach Santa María, auf die südlichste der Azoren-Inseln, zog es im Sommer 2003 einige Mitglieder der Tauchsportabteilung. Da diese Inselgruppe die Spitze eines unterseeischen Gebirgszuges darstellt, der aus großen Tiefen emporsteigt, gab es hier immer genügend Wasser unter dem Bauch. Bluewater-Diving ist eine Spezialität der dortigen Tauchbasis. Das heißt, mit Hilfe des GPS und des Echolots werden die Spitzen unterseeischer Berge aufgesucht und die Taucher erreichen die meist schmalen Gipfelplateaus im freien Fall an einer Orientierungsleine entlang. Unten oder auf dem Weg dorthin werden wir von großen Teufelsrochen oder kapitalen Zackenbarschen, Barrakudas oder Riesenmakrelen empfangen. Den häufig wechselnden Winden – die schon Kolumbus auf seiner Rückfahrt von Amerika in einen schützenden Inselhafen zwangen – entgingen wir durch eine Autofahrt über die grünen Hügel und durch malerische Täler auf die ruhige, windabgewandte Seite , um von dort aus erneut mit dem Boot zu starten.
Neben den Freiwassertauchplätzen gab es mehrere Höhlen zu betauchen, in die sich Tausende von Garnelen zurückgezogen hatten, die dann wieder von Zackenbarschen und Yellow Jack-Schulen verfolgt wurden. Ungewöhnliche Bilder, die sich da im Licht der Schweinwerfer präsentierten, gesäumt von vielen bunten niederen Tieren und schwarzen Korallen.
Der Wechsel von zwei Wetterfronten bescherte uns einen besonders ruhigen Tag und damit die Chance, die Formiga-Felsen, ein Hochseeriff 20 Seemeilen von der Hauptinsel entfernt, draußen auf dem weiten Atlantik zu besuchen. Mit Reservepressluftflaschen, -tanks und Ersatzmotor ging´s los zu dieser einsamen Felsengruppe.
Nach dem Überqueren eines spektakulären Unterwassercanyons gelangten alle Taucher zu einem Steilabfall in die Tiefen des freien Atlantiks, wo sich mehrere Riesenzackenbarsche, Teufelsrochen, Barrakudas und Amberjacks trafen, die noch nie einen Taucher gesehen hatten und deshalb voller Neugierde herangeschwommen kamen.
Beim Wechsel zum Dollabarat, einem zweiten Hochseeriff, tauchte dann auch eine der großen Delfinschulen auf, für die die Azoren bekannt sind. Etwa dreißig grosse Tümmler von mehr als 2,5 Metern Länge und einigen hundert Kilogramm Gewicht begleiteten nicht nur das Boot, sondern umringten auch neugierig die Taucher, die über Bord gesprungen waren.
Dabei stellten sich dann doch einige von uns die bange Frage, ob die freundlich lächelnden Kraftpakete, die ganz nahe herankamen, auch so freundlich bleiben würden.
Alle diese eindrucksvollen Erlebnisse ließen die teilweise schwierigen Bedingungen vergessen, denen wir uns immer wieder ausgesetzt sahen, mit großen Wellen, starken Strömungen und auch schlechter Sicht in der Plankton-Suppe. Taucherisches Können und Erfahrung waren gefragt, damit am Ende alle wieder unbeschadet nach Hause fliegen konnten.

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